Exegese - Hermeneutik

letzte woche warf ein besucher ein, dass ihn das experiment "companions" an die biblische exegese erinnere. diesen einwand finde ich sehr spannend. damit steht die frage im raum, ob das durchführen dieses experiments ausdruck einer tendenz ist, die vorherrschende kunst-exegese (autoritative und damit dogmatische auslegung) durch kunst-hermeneutik (interpretation von zeichen und der reflexion über die auslegung selber) zu ergänzen oder gar zu ersetzen. bis jetzt hatte ich immer den eindruck, es wäre für die organisatoren schlicht und ergreifend günstiger gewesen, Kassler/Kasselaner/Kasseläner zum zug kommen zu lassen (aus dem ebenso schlichten und ergreifenden grund, weil diese vor ort wären und eine schlechte buchungslage nicht schon wieder zu gröberen verwerfungen mit dem externen museumspädagogischen corps führen würde, das für die 100 tage extra nach Kassel zieht).

mein dank diesem herrn für seinen hinweis. er bestärkt mich in der überzeugung, während meiner studien (vor allem der betriebswirtschaft) viel unsinn zum lesen vorgesetzt bekommen zu haben. weniger "case studies" und management-theorien zugunsten von Augustinus, Gadamer oder Popper. das würde ich meinen professoren von damals gerne zurufen. ich bin überzeugt, mit einer anderen literaturliste würden inspiriertere und inspirierendere führungsfiguren von sozialwissenschaftlichen fakultäten graduieren. man wäre sich der angezüchteten, fachlichen scheuklappen dann zumindest bewusster. so rutschen sie einem immer wieder übers innere auge und man wundert sich gar nicht über die eingeschränkte sicht.

ähnliches würde ich studienabgängern philosophienäherer fakultäten konstatieren: weniger Marx mehr Adam Smith, ein seminar kunstgeschichte weniger, dafür mal ein semester volkswirtschaft. kenntnisse grundlegender rechenoperationen oder soziologischer basisliteratur tun der kreativität keinen abbruch, garantiert. es fällt mir schwer, den filmkünstler ernst zu nehmen, der sich vornimmt, jeden tag für 100 tage neues material abzudrehen, um mittendrin wegen fehlender finanzieller mittel zu scheitern. oder wenn man geld als tauschmittel diskutiert, indem man kompost in goldbarrenform presst. oder versucht, leute dazu zu ermuntern, eine stunde topflappenhäkeln beim zahnarzt gegen eine zahnreinigung einzutauschen. offensichtlich haben diese enthusiasten dem komplizierten aspekt der kompostbarren- oder topflappenbesteuerung wenig aufmerksamkeit geschenkt.
morino - 21. Aug, 23:08

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